Fremde Kriegsdienste.
Bis ins 19. Jahrhundert war es für Bündner Bäuernsöhne durchaus üblich, in fremde Kriegsdienste zu ziehen — Frankreich, die Niederlande, Neapel, später der Vatikan. Auch unter den Bonadurer finden sich Spuren.
Der Bündner Söldnerdienst war jahrhundertelang ein wichtiger Wirtschaftsfaktor — und ein soziales Ventil. Wer in Versam, Arezen oder Fan keine Hofstatt erbte, zog hinaus: nach Holland in die Compagnie der Generalstaaten, nach Frankreich in eines der Schweizerregimenter, oder als Offizier in den Dienst von Neapel und Sardinien.
Konkrete Bonadurer-Namen finden sich in den Soldlisten leider nicht in der Form, dass sie sich klar zuordnen ließen — aber die Familienüberlieferung kennt mehrere Fälle. Ein junger Mann, der nach Frankreich zog und nie wieder zurückkehrte. Ein anderer, der mit halber Lunge heimkam und in Versam noch lange “den Hollandänder” genannt wurde.
Ein europäisches Schicksal
Wer den Bündner Bauern früher einsperrend-bergvolksgleich vorstellt, irrt: kaum eine Bevölkerung im alten Europa war so mobil, so vernetzt und so europäisch wie die. Die Bonadurer gehören in dieses Bild — sie sind keine isolierte Talgeschichte, sondern Teil eines kontinentalen Netzes.
Auch nach dem Verbot der fremden Kriegsdienste 1859 dauerte es eine Weile, bis die letzten Söldnertraditionen versiegten. Erst mit der allgemeinen Wehrpflicht in der Schweiz und dem wachsenden Wohlstand des Tals nach 1900 wurde der Dienst in fremden Armeen für Bündner Bäuernsöhne keine echte Option mehr.
Historischer Kontext
Das vollständige Verzeichnis sämtlicher Unteroffiziere und Soldaten des dritten Schweizerregimentes wird im Bundesarchiv in Bern verwahrt. Die Mannschaftskontrolle weist insgesamt 7885 Namen auf — 28 davon gaben als Geburts- und/oder letzten Wohnort die Gemeinden Safien, Tenna, Valendas oder Versam an. Nachstehend die Einträge, aufsteigend nach Datum der Anwerbung.
Buchli Lazarus
Versam · Matrikel 1128
Angeworben
4. März 1828
Einheit
2. Bat 5. Füs Kp
Entlassen
9. April 1833
Geboren
08.10.1790
Gestorben
08.09.1843
Beruf
Schulmeister, Kirchenvogt, Schreiber
Wohnhaft in der Gadastatt. Ehelicht am 7. November 1808 Menga Fontana (1785–1854) von Versam. Vater einer Tochter und von sieben Söhnen — Stammvater aller heute in der Gemeinde Versam lebenden Buchli mit Ausnahme jener im Grosshuus und jener auf dem Tobel.
Bonadurer Georg
Versam · Matrikel 1459
Angeworben
26. Oktober 1828
Einheit
1. Bat 4. Füs Kp
ab 1. Juli 1830: 1. Bat 1. Jäger Kp
Entlassen
1. Februar 1833
Geboren
02.10.1804
Gestorben
22.12.1890
Beruf
Schuster
Wohnhaft im Underhof. Sohn des Hans Marti Bonadurer und der Fida Gredig. Ehelicht am 11. April 1836 Margreth Stöckli (1814–1897) von Safien. Ahnherr der Jehli im Underhof und an der Egga, der Kocher i. Rössli und der Joos in Arezen.
Wieland Joos
Tenna
Angeworben
29. November 1833
Einheit
2. Bat 5. Füs Kp
Entlassen
1. April 1838
Geboren
24.10.1807
Gestorben
29.11.1871
Eltern
Schreiber Christian Wieland & Katharina Gartmann
Ehelicht am 9. Juni 1851 die Witwe Elsbeth Walther geb. Gredig aus der Acla.
Wieland Rageth
Turisch
Angeworben
20. Dezember 1844
Einheit
2. Bat 5. Füs Kp
ab 1. Sept. 1845: Korporal
Entlassen
15. Januar 1853
Geboren
04.04.1825
Eltern
Rageth Wieland & Christina Sutter
Auszeichnungen
Silberne Medaille St. Georg
Medaille St. Georg · Medaille 4. Klasse für den Sizilien-Feldzug
Gebeutelt von jahrelanger soldatischer Zucht und Ordnung und militärischem Drill fand sich mancher in den Wogen und Stürmen ausserhalb der Kasernenmauern kaum mehr zurecht.
Auszug aus der Töndala Nr. 125
Autor: Peter Michael-Caflisch, 1949 im Winkel zu Valendas geboren · seit 1975 Schulmeister in Versam · wohnhaft seit 1979 im oberen Arezen
Fortsetzung
Fremde Kriegsdienste — Töndala Nr. 125 (vollständiger Text)