Auswanderungen.
Die Geschichte der Bonadurer-Auswanderer aus Graubünden — in die Neue Welt, nach Russland, Brasilien, Polen und in alle Kontinente.
Aus der Schweiz auswandern
Ist von Auswanderung die Rede, denken wir sogleich an Überseereisen und ferne Kontinente. Eine weniger spektakuläre, aber wesentlich ältere Form muss zuerst genannt werden: die saisonale Auswanderung. In manchen Regionen entsprach es einer durchaus normalen Notwendigkeit, die lokale und oft ungenügende Existenzbasis durch auswärtige Erwerbstätigkeiten zu stärken.
Die Saisonwanderung war im Tessin besonders ausgeprägt. Die Maurer und Gipser des Sottoceneri waren im Sommer als Saisonniers in Italien tätig. Im Sopraceneri verliessen die Männer eher im Winter die Täler und suchten Arbeit als Kaminfeger, Ofenbauer und Packträger.
Auswandern aus wirtschaftlicher Not
In der Schweiz waren die alpinen Regionen besonders stark von der Auswanderung betroffen: das Tessin, Graubünden, Glarus, das Berner Oberland und das Wallis. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Gebiete war so schwach und die Belastung durch das Bevölkerungswachstum so stark, dass die bescheidene Existenzbasis bei Missernten oder Überschwemmungen leicht zerstört wurde.
Gemeinden, die durch Armenunterstützung besonders belastet waren, ermunterten ihre Unterstützungsbedürftigen zur Auswanderung. In den 1850er Jahren wurden die ersten Auswanderungsagenturen gegründet; 1882 gab es deren 9.
Bündner Auswanderer
Zu welcher Zeit erstmals Bündner ihre Heimat verliessen, um in einem fernen Land ihr Glück zu suchen, lässt sich nicht genau feststellen. Die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten verlief sehr unregelmässig. Höhepunkte der Emigration waren die Jahre 1844, 1846, die fünfziger Jahre und die frühen siebziger Jahre.