Die Arenzer Bonadurer.
Arezen ist ein Ort, der in den Urkunden immer wieder auftaucht. Im Jahr 1607 ist von Martin Bonadurer und seinem Sohn die Rede, die einen Rechtsstreit wegen eines Wegs von den Joos’schen Höfen zur Allmeini oder zur Alp führten — ein Hinweis darauf, dass die Arezer Bonadurer schon damals eigenständige Bauern waren.
Im Pestjahr 1629 starb in Arezen ein alter Bonadurer. Wegen der grassierenden Krankheit in Valendas, Versam und Fan konnte er nicht im Dorf bestattet werden — man begrub ihn auf einer Wiese zwischen Summergadä und Wintergadä. Wohl ein Vorfahre des im Jahr 1708 genannten Clas Bonadurer.
Ein weiterer Beleg findet sich im Jahr 1691: Jöri Bonadurer „ab Fan“ bürgert sich an der Märzengemeinde für 180 Gulden in Versam ein — ein typischer Vorgang für diese verzweigte Linie. Und 1698 treffen Balzer Bonadurer und sein Schwager Balzer Joos ein Abkommen wegen der Grenzen ihrer Güter in Arezen.
Die Arezer Bonadurer waren immer ein eigener Schlag — Bäuerlich, eigensinnig, mit eigenem Wegrecht und eigener Allmeini.
— Aus der Familienüberlieferung
Spätestens mit dem Schnitzrodel von 1704 sind die Bonadurer als bürgerliche Geschlechter in Versam, Arezen und Fan aktenkundig — und 1711 wird die Niederlassung in allen drei Ortschaften offiziell.
Was ist heute geblieben?
Die alten Höfe in Arezen sind teilweise noch in Familienbesitz. Wer das Tal hinaufwandert, findet die Namen der Fluren in der Karte wieder — und mit etwas Glück am Brunnen ein eingehauenes „B.“.
Schauplatz
Persönlichkeiten
+ Sohn
§ 01 · Die Hauptlinie
«In der Mülli» und «im Boda».
Die Hauptlinie, die sich am weitesten zurückverfolgen lässt, führt zu den heute noch in Arezen lebenden Namensträgern «in der Mülli» und «im Boda». Ihre Vorfahren sind immer wieder tüchtige, besonders begabte Handwerker gewesen — Violinen wurden in der Mülli Arezen hergestellt.
Die älteste greifbar zu fassende Gestalt der Hauptlinie ist:
Um 1600 · Versam
Jos Bonadurer
Erwähnt 1634 als Baumeister der Kirche Versam · Urkunde 1669 (Pergament) aus Arezen
Christian Bonadurer (1914–2008) · Letzter Bonadurer in Versam
§ 02 · Kunsthandwerker · 1600–1748
Kirchenbauer, Schnitzer, Kirchenvogt.
Im Jahre 1634 wird Jos Bonadurer, geboren um 1600, beim Bau der Kirche in Versam als einer der vier verantwortlichen Baumeister erwähnt. Aus dem Jahre 1669 ist eine schöne Pergamenturkunde erhalten: Jos Bonadurer, «sässhaft in Voräzen», verkauft ein Hofgut in der Mareina — bleibt aber selbst noch als Anstösser «obenthalb» eingetragen.
Sein Sohn Johannes, geboren um 1650, hat in München an einer Schnitzler- oder Tischlerschule seine Ausbildung erhalten. Möglicherweise verkaufte Jos den Hof Mareina, um die Ausbildung seines Sohnes zu finanzieren. Arbeiten von Johannes befinden sich im Rätischen Museum in Chur.
Auf Meister Johannes folgte sein Sohn Meister Jos Bonadurer (1678–1748). Von ihm oder seinem Sohn Hans (geb. 1707) stammt auch die Kanzel in der Nachbargemeinde Valendas. Bei seinem Tod am 13. April 1748 schrieb Ortspfarrer Joh. T. Ulricus im Kirchenbuch:
«1748, 13. Aprilis — ist der Meister Joos Bonadurer aus Arätzen, amicus meus integerrimus (mein aufrichtigster Freund), zur Erden bestattet worden, aetat. 70 ann.»
Pfarrer Joh. T. Ulricus (Durisch) von Susch · Kirchenbuch Versam
§ 03 · Familienschrift · 1707–1745
Hans Bonadurers Chronik in eigener Hand.
Kirchenvogt Meister Hans Bonadurer (geb. 1707) heiratete Magdalena Joos ab Fan, Tochter des Marti Jos und der Elsa Bonadurer. Auf einem losen Blatt, in einer «zügigen, schönen und gut leserlichen Handschrift», hinterliess er Aufzeichnungen zu seiner Familie — ein seltenes, bewegendes Dokument aus dem 18. Jahrhundert:
1707 · 13. Christmonat
«bin Ich Hans Bonadurer an das Licht dieser Welt gebohren»
1718 · 20. Oktober
«ist mein Eheweib Magdalena Joosy gebohren worden»
1729 · 10. April
«ist mein liebe Mutter Ursula Bonadurery geb. Nuttly gestorben (50)»
1734 · 9. März
«ist meines Eheweibs lieber Vatter Marty Joos entschlafen (51)»
1739 · 18. Juni
«bin ich Hans Bonadurer mit meinem lieben Eheweib Magdalena Joosy copuliert und eingesegnet worden»
1743 · 12. Christmonat
«hatt uns der liebe Gott gesegnet mit einer jungen Tochter Nams Ursulla»
1744 · 17. Februar
«hat es dem lieben Gott gefallen, dieses liebe Kind wieder zu seiner Gnaden zu berufen. Gott geb ihr eine fröhliche Auferstehung»
1744
«kauft Hans Bonadurer von Michel Buchli, Arezen, «den halben Teil einer Mühle»»
1745 · 1. April
«hat uns der liebe Gott erfreuet mit einem wohlerschaffenen Sohn, Namens Joos»
Eigenhändige Aufzeichnungen Hans Bonadurers · Kirchenbücher Versam
Damit brechen die Aufzeichnungen ab — hinterlässt sie nicht einen Eindruck gläubiger, frommer Menschen?
Originalbrief von Christian Bonadurer an Roland · um 2003
Christian Bonadurer · Versam · ca. 2003
§ 04 · Letzter Bonadurer in Versam
Christian Bonadurer, 1914–2008.
Christian Bonadurer war mit 89 Jahren der letzte einheimische Namensträger in Versam — er starb im Juni 2008. Er schrieb Roland Bonadurer:
«Das Schreiben von Dir über die Bonadurer habe ich erhalten, es hat mich sehr gefreut, dass es noch Bonadurer gibt, wo noch nachforschen. Viel von ganz früher kann ich nicht sagen — hier in der Gemeinde Versam, dem Bürgerort der Bonadurer, bin ich mit meinen 89 Jahren der letzte Einwohner.
In der Versamer Kirche ist die Kanzel im Jahr 1700 von einem Bonadurer gemacht worden. In der Küche ein alter Schiefertisch — leider ohne Jahrzahl — der auch von einem Vorfahren aus etwa der gleichen Zeit gemacht wurde.
Mein Grossvater hatte 2 Brüder: Johannes war Uhrmacher, wohnte in Arezen. Alexander war Drechsler und machte Spinnräder. Jos (Josias), mein Grossvater, war Lehrer — nicht lange ausgeübt — und hatte sein Heimwesen in Arezen.»
Christian Bonadurer, Versam · Brief an Roland Bonadurer, ca. 2003